Am dritten Tag aßen sie Schnee. Jahre später, während eines Vorstellungsgesprächs, prasselt die Erinnerung auf den Jungen ein: Der Vater, der Baumsamen oder Kiefernnadeln in seine Hand spuckte. Was immer im Schnee gelegen hatte. Der Junge betrachtete die braunen Tupfer in der Handfläche des Vaters, blickte hinauf zum Vater, der schließlich nickte, sie zurück in seinen Mund stopfte und sich abwendete, um sie herunterzuschlucken.

Anstatt zu schlafen, verpassten sie sich gegenseitig Ohrfeigen, um wach zu bleiben.

Der Platz, den sie unter dem Baum gefunden hatten, schützte sie nicht vor dem Wind, aber er war trocken.

Sie hatten keine Ahnung, wo das Lager war, oder wie sie den Laster dorthin oder die Landstraße dahinter finden sollten. Sie hatten nicht einmal eine Waffe, nur das Messer, das der Vater des Jungen an seiner rechten Hüfte trug.

An den ersten beiden Tagen hatte der Vater nur mit den Schultern gezuckt und dem Jungen gesagt, er solle sich keine Sorgen machen, der Sturm würde nicht ewig dauern.

Den ganzen dritten Tag hatte er dagesessen und zugeschaut, wie der Schnee wie Asche hinunterfiel.

Der Junge sagte nichts, kein Gebet, nicht einmal heimlich. Als er wieder einmal eingedöst war und der Klaps des Vaters und dessen Fingernägel auf seiner Wange ihn nicht weckten, sondern einzig das Geräusch des Schlages, brachte er aus dem Schlaf ein Bild mit.

Ein Hase.

Er erzählte dem Vater davon und der Vater zog die Unterlippe zurück in den Mund und lächelte, als hätte der Junge gerade einen Witz erzählt.

In jener Nacht schliefen sie ein.

Dieses Mal erwachte der Junge, als der Vater ihn überall rubbelte, um sein Blut zum Fließen zu bringen. Der Vater weinte und der Junge erzählte ihm von dem Hasen, der nicht einmal weiß war, wie es sich gehört hätte, sondern braun, und verloren wie sie.

Der Vater zog die Knie an die Brust und hüpfte auf und nieder. Er starrte hinaus auf all das Weiß jenseits ihres Baumes.

»Ein Hase?«, sagte er.

Der Junge zuckte mit den Schultern.

Später am selben Tag erwachte er erneut, erst unsicher, wo er war. Der Vater war fortgegangen. Der Junge bewegte seinen Mund, wusste nicht, was er sagen sollte. In der Schneekruste sah er die kreisförmigen Löcher, die der Vater hinterlassen hatte. Der Junge legte seine Hand in den ersten Fußabdruck, dann in den zweiten, hinaus aus dem Baum in die wirkliche Kälte. Er folgte den Spuren, bis sie nicht mehr erkennbar waren. Er versuchte, sie zurück zum Baum zu verfolgen, aber das Licht war jetzt ganz anders. Schließlich begann er zu rennen, fiel hin, stand wieder auf. In seiner Brust brannte es.

Der Vater fand ihn irgendwann später in dieser Nacht und drückte ihn fest an sich.

Sie suchten Schutz unter einem anderen Baum.

»Wo warst du?«, fragte der Junge.

»Dieser Hase«, sagte der Vater und streichelte dem Jungen übers Haar.

»Du hast ihn gesehen?«

Anstatt zu antworten, starrte der Vater vor sich hin.

Der Baum, unter dem sie hockten, war nicht so gut wie der davor. Am nächsten Morgen suchten sie nach einem anderen, und noch einem anderen, und fanden unerwartet ihren ersten Baum wieder.

»Wieder Zuhause, wieder Zuhause«, sagte der Vater. Er half dem Jungen hinein, packte ihn dann hinten an der Jacke und hielt ihn zurück.

Spuren führten aus dem Dreck hinaus in den Schnee. Doppelspuren, wie die geteilten Hufe eines Elches, nur größer und nicht so tief.

»Dein Hase«, sagte der Vater.

Der Junge lächelte.

In jener Nacht schnitzte der Vater mit dem Messer ihre Initialen in den Baumstamm. Später brach er einen toten Ast ab und versuchte dessen Ende zu spitzen. Der Junge sah zu, fasziniert, hungrig.

»Wird es klappen?«, fragte er.

Der Vater ohrfeigte und weckte ihn. Wieder fragte der Junge, diesmal mit dem Mund.

Der Vater zuckte mit den Schultern. Seine Lippen waren rissig, blutig, sein Bart drückte durch seine Haut.

»Was glaubst du, wo er jetzt steckt?«, fragte er den Jungen.

»Der— der Hase?«

Der Vater nickte.

Der Junge schloss die Augen, drehte den Kopf, öffnete die Augen wieder und deutete mit ihnen den Weg. Der Vater benutzte den gespitzten Ast als Gehstock, machte sich auf den Weg und bückte sich gegen den wehenden Schnee.

Der Junge wusste, dass es klappen würde.

In den Stunden ohne den Vater betrachtete er ihre Namen im Baumstamm. Der Vater hatte sie hinein geschnitzt, während er schlief. Auch den Namen der Mutter des Jungen. Er strich mit den Fingerspitzen über die Kerben und trug ihren Geschmack an seine Zunge.

Als nächstes fielen brüchige Stücke Eis auf ihn herab.

Der Vater war zurückgekehrt und in die Seite des Baumes gestürzt.

Der Junge rollte ihn hinein, rubbelte seinen Rücken und sein Gesicht und seinen Hals. Dann sah er, was der Vater verborgen hielt und vielleicht für Meilen behütet hatte: den Hasen. Die Zipfel seines Fells waren braun, der Rest davon weiß.

Mit dem Messer öffnete der Vater den Hasen in einer Linie den Bauch entlang. Er goss das Fleisch aus. Es dampfte.

Der Vater sah den Jungen an und nickte.

Sie löffelten jedes rote Stückchen aus dem Hasen, verschlangen es in Brocken, denn wenn sie es kauten, schmeckten sie, was sie taten. Alles, was übrig blieb, war das Fell. Der Vater kratzte mit dem Messer die Reste ab und gab sie dem Jungen.

»Bin froh, dass deine Mutter das hier nicht sehen muss«, sagte er.

Der Junge lächelte, wischte sich den Mund ab.

Später übergab er sich im Schlaf und beobachtete wie das Erbrochene in den losen Sand sickerte. Dann drehte er sich zu seinem Vater um und schaute, ob der Vater gesehen hatte, was er getan, wie er ihn betrogen hatte. Der Vater schlief. Der Junge legte sich wieder hin, zwang den Hasen zurück in seinen Mund und legte den Arm über seine Lippen, damit er ihn nicht wieder ausspuckte.

Am nächsten Tag kamen keine Helikopter, keine Männer auf Pferden, die Hunden folgten, keine Skier, die sie nach Hause trugen. Für einige Stunden um die Mittagszeit schien die Sonne, aber alles was sie tat, war ihr trockenes Plätzchen unter dem Baum zu durchnässen. Und dann kam wieder der Wind.

»Wo ist der Ast?«, fragte der Junge.

Der Vater kniff die Augen zusammen, als ob er nicht daran gedacht hätte.

»Dein Hase«, sagte er nach einigen Minuten.

Der Junge nickte und sagte, fast nur zu sich selbst: »Er wird wiederkommen.«

Als er sich zu seinem Vater umdrehte, guckte der ihn schon an. Betrachtete ihn genau.

Das Fell des Hasen lag draußen im Schnee, gleich hinter dem Baum.

Vor Stunden vergraben.

Der Vater nickte, als ob es stimmen könnte. Dass der Hase zurückkommen würde. Weil sie ihn brauchten.

Am nächsten Tag zog er wieder los, mit einem neuen Ast, und kam zurück mit blauen Lippen und einem starr gefrorenen Bein, das durch das Eis irgendeines Baches gebrochen war. Kein Hase. Aber er sagte, dass der Bach ein gutes Zeichen war. Fließenden Gewässern konnte man folgen, egal in welche Richtung, und auf Menschen treffen.

Der Junge fragte nicht, in welche Richtung.

»Sein Name ist Slaney«, sagte er.

»Der Hase?«

Der Junge nickte. Slaney. Dinge, die einen Namen hatten, gab es wirklich. Sie schliefen in jener Nacht, der Junge unter dem schweren Ärmel des Mantels seines Vaters, und erwachten wie auch immer zur selben Zeit. Sie blickten in dieselbe Richtung, ihre Gesichter auf Höhe der Schneekruste vor ihrem Baum. Zehn Meter nach draußen, mit der Nase in der Luft, saß Slaney.

Der Junge spürte, wie der Vater tief einatmete.

»Nicht… nicht…«, sagte der Vater, leise, dann sprang er auf, über den Jungen hinweg, und stürmte ohne seinen Ast hinaus in den Tag.

Er kam eine Stunde später wieder zurück, ohne etwas über seine Schulter gehängt, ohne etwas, das er verborgen hielt. Ohne Blut an seinen Händen.

Diesmal betete der Junge, heimlich. Er versprach, sich nie wieder von dem Fleisch zu übergeben. Mit der Messerspitze schnitzte der Vater ein Bild eines Hasen in den Stamm ihres Baumes. Er sah aus wie ein Frosch mit Pferdeohren.

»Slaney«, sagte der Junge.

Der Vater schrieb es mit dem Messer unter die Füße des Hasen, dann schnitzte er einen Kreis um den Namen der Mutter des Jungen, immer und immer wieder, bis der Junge dachte, das Stück Rinde würde hinab fallen wie eine Gedenktafel.

Als der Junge das nächste Mal erwacht, saß er schon aufrecht.

»Was?«, sagte der Vater.

Der Junge nickte in die Richtung seines Blickes.

Der Vater beobachtete die Augen des Jungen, nickte und holte seinen Ast.

Dieses Mal blieb er für fast einen ganzen Tag verschwunden. Der Junge, verängstigt, kletterte in den Baum, immer höher, so hoch er nur konnte, bis der Wind ihn packte.

Der Vater streckte den Ast zu ihm hinauf und stupste ihn wach.

Wie ein Fußball lag der Hase in seinem angewinkelten Arm. Er war blutverschmiert und wundervoll, schon aufgeschnitten.

»Du hast die Därme gegessen«, sagte der Jungen mit vollem Mund.

Der Vater griff in den Hasen und holte ein längliches Stück Fleisch hervor. Der Muskel, der an der Wirbelsäule entlangläuft, vielleicht.

Der Junge aß und aß und als er fertig war, brachte er das Hasenfell an denselben Platz, an den er schon das erste gebracht hatte. Das Fell sah genauso aus — weiß mit braunen Zipfeln.

»Er kommt wieder«, sagte er zu seinem Vater.

Der Vater rieb ihm über die Wange. Seine Hand war mit Blut verkrustet.

Am nächsten Tag gab es keine Walkie-Talkies, die durch den Wald krächzten, keine Geländewagen oder Motorschlitten, die sich durch den Schnee wühlten. Und das Hasenfell war verschwunden.

»Hungrig?«, sagte der Vater, lächelnd auf seinen Ast gelehnt, und der Junge lächelte mit ihm.

Vier Stunden später kehrte der Vater mit dem Hasen zurück.

Er war durchnässt bis zu den Hüften.

»Der Bach?«, sagte der Junge.

»Es ist ein gutes Zeichen«, antwortete der Vater.

Auf seinem Rückweg hatte der Vater wieder die Därme in seinen Mund gefingert und den Großteil des zähen Fleisches für den Jungen aufgespart.

»Slaney«, sagte der Vater und sah dem Jungen beim Essen zu.

Der Junge schloss die Augen, um hinunterzuschlucken.

Wegen der gefrorenen Hosen — der Bach — musste der Vater mit ausgestreckten Beinen sitzen. »Ein gutes Zeichen«, sagte der Junge, nachdem der Vater eingeschlafen war.

Am nächsten Morgen riss der Vater einen weiteren toten Ast vom Baum, sodass er nun zwei Stöcke hatte, wie ein Skifahrer.

Der Junge sah zu, wie der Vater in den grellen Schnee hinauslief und den Weg mit den beiden Stöcken abtastete. Er sah aus wie ein zottiges Tier auf vier Beinen, eines, dass eher aus Legenden gemacht ist, als aus Haut und Knochen. Der Junge stopfte sich Schnee in den Mund und hielt ihn dort, bis er geschmolzen war.

Dieses Mal war der Vater nur eine halbe Stunde fort. Wieder hatte er den Bach überqueren müssen. Slaney schmiegte sich an seinen Körper.

»Er stand einfach da«, sagte der Vater und schüttete das Fleisch für den Jungen aus. »Als ob er auf mich warten würde.«

»Er weiß, dass wir ihn brauchen«, sagte der Junge.

Er musste nicht länger das Blut vom Fleisch wischen, bevor er es aß, und es ohne zu kauen hinunterschlucken.

In jener Nacht torkelte der Vater hinaus in den Schnee, übergab sich und fiel hin. Der Junge tat, als hätte er es nicht gesehen. Er hielt die Augen geschlossen, als der Vater zurückkam.

Am Morgen darauf sagte er seinem Vater, er solle nicht hinausgehen, nicht heute.

»Aber Slaney«, sagte der Vater.

»Ich bin nicht hungrig«, log der Junge.

Aber am nächsten Tag war er hungrig. Es war der Tag, an dem der Sturm sich legte. Der Wald regte sich kein Stück. Die Vögel zogen wieder von Baum zu Baum und redeten miteinander.

In seinem Kopf bat der Junge Slaney, näher zu sein, nicht auf der anderen Seite des Baches zu sein. Aber der Vater kehrte wieder bis zu den Hüften durchnässt zurück. Er war von oben bis unten mit Blut besudelt, von der Jagd, vom Essen.

Der Junge schaufelte das Fleisch in seinen Mund. Der Vater versuchte, sitzen zu bleiben. Er schaffte es nicht und fiel auf die Seite. Der Junge aß zu Ende und schmiegte sich an seinen Vater. Er erwachte erst, als er kratzige Stimmen wie aus einem Radio hörte.

Er richtete sich auf und die Stimmen verschwanden.

Oben auf der Schneekruste lag, da kein neuer Schnee gefallen war, Slaneys Fell. Der Junge kroch hinaus, betrachtete es genau, nicht sicher, wie Slaney es schaffte, irgendwo da draußen zu sein, um sich wiederherzustellen, sein Fleisch nachwachsen lassen, und gleichzeitig hier. Vielleicht funktionierte es nur, wenn man nicht hinsah.

Der Junge schaufelte Schnee auf das blutverschmierte Fell und schmiegte sich wieder an seinen Vater. Den ganzen Tag lang wachte der Vater nicht auf, schlief aber auch nicht wirklich.

In jener Nacht, als der Schnee stärker schmolz und in ihr trockenes Plätzchen unter dem Baum rann, sah der Junge kleine Eisblöcke, draußen, jenseits von Slaney. Es waren Fußabdrücke, Stellen, an denen der Schnee unter einem Stiefel zu Säulen zusammengedrückt worden war. Diese Säulen schmolzen nicht so schnell wie der Rest.

Anstatt in einer Linie zum Bach zu führen, liefen diese Spuren geradewegs darüber hinweg.

Der Junge beugte sich über sie und blickte in die Richtung, die sie vielleicht genommen hatten.

Als er aufstand, hörte er seine Hose reißen. Das Hinterteil war am Hosenbein festgefroren, als in der Hocke saß. Er sah Blut. Der Junge fiel nach hinten, zog seine Hose runter, um zu sehen, ob es von ihm kam.

Tat es nicht. Er sah hinüber zum Vater, setzte sich wieder in den Schnee, legte die Arme um seine Knie und wippte hin und her.

»Slaney, Slaney«, skandierte er. Nicht um ihn zu essen, noch einmal, sondern nur um ihn in den Armen zu halten.

Irgendwann in jener Nacht — sie war klar, lautlos — fand ihn das Licht einer Taschenlampe.

»Slaney?«, sagte er und blickte in den gelben Lichtstrahl.

Der Mann in der Flanelljacke atmete zu schwer, um richtig in sein Funkgerät zu sprechen. Er hob den Jungen hoch und der Junge sagte noch einmal: »Slaney.«

»Was?«, fragte der Mann.

Der Junge antwortete nicht.

Die anderen Männer fanden den Vater des Jungen zusammengekauert unter dem Baum. Als sie seine Hosen zerschnitten, um zu sehen, woher das Blut kam, sah der Junge weg. Seine unteren Augenlider schoben sich hoch in sein Sichtfeld. Im Laufe der Jahre wurde dieser Blick eine seiner Eigenarten, ein Blick, der einem möglichen Arbeitgeber vielleicht Nachdenklichkeit suggerierte. Aber in jenem Moment, als er unter der Decke saß, mit seinem ersten Becher Kaffee in der Hand, und auf den Hubschrauber wartete, war dieser Blick nur ein Mittel, um den Baum, unter dem der Vater schlief, verschwimmen zu lassen.

Ohne Schärfe im Blick sah er zu, wie der Vater endlich aufstand. Der Baum war nur ein verschmierter Fleck im Grün des Waldes. Doch dann musste der Junge hinsehen.

Mit den Stöcken als Krücken, die er wie Fühler vorausstreckte, und dem Kopf tief zwischen den Schultern hängend, schaffte es der Vater irgendwie zu gehen.

Als er unter dem Baum hervor wankte, hielt der Junge den Atem an.

Die Hosen des Vaters waren nur noch Fetzen, genau wie seine Beine, aus denen er das Fleisch des Hasen geschnitten und es wieder und wieder in das eine Fell gestopft hatte. Der Vater zog die Unterlippe zurück in den Mund, nickte dem Jungen kurz zu, setzte einen Stock in den Boden und schleppte sich vorwärts. Er wiederholte diesen schwierigen Vorgang, schleppte sich in den Wald hinein.

»Wohin geht er?«, fragte einer der Männer.

Der Junge nickte, verstand, dass der Vater sich ein letztes Mal in den Wald begab und seine Beine nun mit den Hüften bewegen musste. Der Junge antwortete — »Jagen« — und rannte weg von dem Hubschrauber, in den sie in zogen, und grub in dem Schnee gleich hinter ihrem Baum. Doch er fand nichts. Nur Kälte. Seine eigenen klammen Finger.

»Was hat er gesagt?«, fragte einer der Männer.

Der Junge hielt inne, schloss die Augen, und versuchte, es ebenfalls zu hören. Seine eigene Stimme. Er ließ sich von den Männern aus dem Schnee zerren, hinein in eine Welt aus Häusern und Bankkrediten und, zu guter Letzt, Vorstellungsgesprächen. Aber weil sie Handschuhe trugen, oder weil ihre Finger wegen der Kälte ebenso klamm waren, schafften sie es nicht, ihn an jenem Tag in Gänze aus dem Wald zu bringen. Sie sahen nicht, dass ein wichtiger Teil von ihm immer noch dort war, unter der Decke saß, die Lippen fest zusammengekniffen, und dem Vater zusah, wie er sich mit den Stöcken als Verlängerung seiner Arme über den Schnee bewegte.

Weil es Verrat gewesen wäre, übergab er sich nicht von dem, was der Vater ihm gegeben hatte. Nicht damals und nicht Jahre später, als sich der Mann auf der anderen Seite des Schreibtisches eine Handvoll Sonnenblumenkerne in den Mund stopft, alle auf einmal, und seine Hand vor den Mund hält, damit nicht ein Kern verloren geht, und sich zu ihm hinüberlehnt und den Jungen erklären lässt, welchen Namen er auf den Bewerbungsbogen geschrieben hat.

Slade?

Slake?

Slater, Sklave?

Was der Junge dann macht, was er, wie er gerade erkennt, schon die ganze Zeit hätte machen sollen, ist, seine Hand über den Tisch zu strecken und dem Mann behutsam eine Ohrfeige zu verpassen, und dann so zu tun, als würde er nicht an ihm vorbei aus dem Fenster gucken, hinaus zu dem kleinen braunen Hasen, der zwischen den Blumen sitzt und zuschaut.

Schon bald wird er weiß sein.

Der Junge lächelt.

Einige Wälder sind so groß, man findet nie aus ihnen heraus.

Stephen Graham Jones

Stephen ist der Autor von fünfzehn Romanen und sechs Bänden mit Kurzgeschichten, Finalteilnehmer des Shirley Jackson Award, des Bram Stoker Award und des Colorado Book Award, und Gewinner des Texas Institute of Letters Award. Er ist Dozent an der University of Colorado Boulder. Er ist im Internet unter www.demontheory.net zu finden.